Radsätze von U-Bahn- und Straßenbahnen sind im urbanen Verkehr extremen dynamischen Kräften ausgesetzt: Unebenheiten im Gleis, Weichenüberfahrten, Kurvenfahrten und Bremsvorgänge erzeugen Belastungen, die sich direkt auf Sicherheit, Komfort und Lebensdauer auswirken. Für Konstrukteure ist ein präzises Verständnis dieser Kräfte – besonders bei gummigefederten Radsätzen – unerlässlich, um Radsätze so auszulegen, dass sie nicht nur langlebig, sondern auch sicher und komfortabel sind.
Heutige Fahrzeugentwicklungen beginnen in der Regel mit der Erstellung von Simulationsmodellen, die das erwartete Betriebsverhalten abbilden sollen. Damit diese Modelle belastbare Ergebnisse liefern, müssen sie mit realen Betriebsdaten validiert werden. An diesem Punkt ist eine verlässliche Messtechnik entscheidend: Solche Daten lassen sich nur gewinnen, wenn alle relevanten Kräfte und Momente direkt am Rad unter rauen Einsatzbedingungen im Betrieb präzise erfasst werden. So entsteht eine belastbare Datenbasis, mit der sich zukünftige Rad-Designs optimieren lassen.
Um reale Betriebslasten direkt am Rad zu erfassen, kommt ein speziell entwickeltes Messrad mit DMS-Sensorik, kontaktloser Telemetrie und ein leistungsfähiges Datenerfassungssystem mit Echtzeitanalyse zum Einsatz. Damit werden alle relevanten Kräfte und Momente direkt im Fahrbetrieb erfasst, zuverlässig übertragen und unmittelbar ausgewertet. So entsteht eine solide Grundlage für Konstruktion, Simulation und Wartungsstrategien.

Das Herzstück der Lösung ist ein speziell entwickeltes Messrad, das in das Fahrwerk der Bahn integriert und während des regulären Fahrgastbetriebs eingesetzt wird. Es ist mit 16 präzise applizierten Dehnungsmessstreifen (DMS) ausgestattet, die Kräfte und Momente in radialer, axialer und torsionaler Richtung erfassen. Zusätzlich überwachen Temperaturfühler an den Gummielementen thermische Einflüsse.
Die Sensorik ist über ein Telemetriesystem kontaktlos mit einem stationären Empfänger verbunden. Die Messdaten werden induktiv und störungsfrei mit hoher Datenrate übertragen. Durch die sensornahe Signalwandlung und -konditionierung werden Störeinflüsse reduziert und die Datenqualität deutlich erhöht.
Kräfte oder Momente, die auf Bauteile einwirken, erzeugen Dehnungen an der Oberfläche, die mittels DMS erfasst werden können. Um die äußeren Belastungen zu rekonstruieren, wird ein Umrechnungsmodell benötigt, das den Zusammenhang zwischen Dehnung und Belastung beschreibt.
Um die Belastungen vollständig zu erfassen, sind mehrere DMS an strategisch günstigen Positionen notwendig.
Typische Positionen am Radkörper:
Meist werden Vollbrücken-Schaltungen verwendet, da sie temperaturkompensiert und empfindlich gegenüber Biegung oder Torsion sind.
Ein mechanisches Modell (z. B. FEM oder analytisch) bildet den Zusammenhang zwischen den aufgebrachten Kräften/Momenten und den resultierenden Dehnungen an den DMS-Positionen ab.
Die Kalibrierung liefert die Grundlage für die spätere Umrechnung im Fahrversuch und wird üblicherweise experimentell und rechnerisch bestimmt:
Während des regulären Fahrbetriebs werden die DMS-Signale kontinuierlich erfasst und mit dem Datenerfassungssystem imc CRONOSflex online umgerechnet und synchron aufgezeichnet. Die Echtzeitberechnung der Kräfte und Momente erfolgt mithilfe einer vordefinierten Umrechnungsmatrix direkt im Messsystem mit Hilfe der Echtzeitplattform Online FAMOS.
Die Echtzeitanalyseplattform ermöglicht zusätzlich:
Zur gezielten Analyse spezifischer Fahrabschnitte werden die Messdaten zusätzlich mit synchronen GPS-Informationen sowie weiteren Fahrzeug- und Streckendaten ergänzt. Dadurch lassen sich Belastungssituationen einzelnen Streckenabschnitten, Gleiszuständen oder Fahrsituationen wie Kurvenfahrten und Bremsvorgängen präzise zuordnen.
✅ Präzise Belastungsdaten aus dem realen Betrieb
✅ Kontaktlose, störsichere Telemetrie
✅ Echtzeit-Ergebnisse dank imc CRONOSflex & Online-FAMOS
✅ Erweiterbar mit GPS, Feldbusinformationen u.v.m.
✅ Direkt nutzbare Lastkollektive und Klassierungen
✅ Bewährte Messtechnik für den urbanen Schienenverkehr
Die Messung dynamischer Lasten an U-Bahn- und Straßenbahnrädern liefert eine unverzichtbare Datenbasis für die Bahnindustrie. Mit DMS-basierten Messrädern, digitaler Telemetrie und leistungsfähigen Messsystemen mit Echtzeitanalyse werden Belastungsdaten im realen Betrieb gewonnen. So lassen sich Simulationsmodellen validieren und Konstruktionen für gummigefederte Radsätze optimieren. Ein entscheidender Schritt zur Entwicklung wartungsarmer, komfortabler und langlebiger Straßenbahn- und U-Bahn-Rädern.