Die Abschätzung von Messunsicherheiten ist ein wesentlicher Bestandteil messtechnischer Analysen, um die Aussagekraft der Ergebnisse zu verdeutlichen. Mit der Analysesoftware imc FAMOS lässt sich das selbst für komplexe Algorithmen effizient berechnen und auswerten.
Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten und Vorgehensweisen zur Berechnung von Messunsicherheiten mit imc FAMOS.
Bevor wir uns den spezifischen Funktionen von imc FAMOS widmen, ist es wichtig, einige grundlegende Konzepte der Messunsicherheitsberechnung zu verstehen.
Der "Guide to the expression of uncertainty in measurement" (GUM) dient als internationaler Leitfaden für die Bestimmung und Angabe von Messunsicherheiten. imc FAMOS orientiert sich in weiten Teilen an den Vorgaben des GUM, geht aber in manchen Bereichen darüber hinaus, um den praktischen Anforderungen von Messtechnikern gerecht zu werden.
Wenn in diesem Artikel von Messunsicherheit die Rede ist, ist damit in der Regel die Standardmessunsicherheit gemeint. Diese entspricht der Standardabweichung der Messwerte und gibt an, in welchem Bereich um den Messwert der wahre Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 68 % liegt (bei Annahme einer Normalverteilung).
Der GUM behandelt primär die Messunsicherheit einzelner Messwerte. In der Praxis hat man es jedoch oft mit ganzen Messwertfolgen oder Zeitreihen zu tun. imc FAMOS bietet Möglichkeiten, sowohl einzelne Kennwerte als auch ganze Datensätze, die aus Analysesequenzen resultieren, hinsichtlich ihrer Messunsicherheit zu analysieren.
Der erste Schritt bei der Berechnung von Messunsicherheiten ist die Festlegung der Unsicherheit der Eingangsdaten. Dies kann auf verschiedene Arten erfolgen:
In manchen Fällen lässt sich die Messunsicherheit direkt aus den vorliegenden Messdaten abschätzen. Ein Beispiel hierfür ist die Abschätzung der Messungenauigkeit aus dem Rauschband eines Temperaturverlaufs.
In imc FAMOS wird die Messunsicherheit eines Eingangssignals mit dem Befehl `UncertaintySet()` festgelegt.
Beispiel: UncertaintySet(Temperature, "Uncertainty", 0.25)
Dieser Befehl ordnet dem Eingangssignal "Temperature" eine Messunsicherheit von 0,25 °C zu. Bei Zeitreihen wird diese Unsicherheit jedem einzelnen Messwert zugeordnet.

Nach der Festlegung der Eingangsunsicherheiten kann imc FAMOS die Fortpflanzung dieser Unsicherheiten durch einen Algorithmus berechnen. Dabei kommt die Monte-Carlo-Methode zum Einsatz.
Die Monte-Carlo-Methode basiert darauf, die Eingangsdaten in mehreren Variationen leicht zu verrauschen und den Algorithmus mehrfach mit den jeweiligen verrauschten Daten durchzuführen. Die Abweichungen in den Ergebnissen werden statistisch ausgewertet, um die Messunsicherheit der Ergebnisse zu bestimmen.
Die Anzahl der Monte-Carlo-Versuche wird in imc FAMOS über die Funktion `UNCERTAINTY_LOOP` festgelegt. Ein typischer Ablauf sieht wie folgt aus:
1. Festlegung der Eingangsunsicherheit
2. Schleife über M Monte-Carlo-Versuche:
a. Verrauschen der Eingangsdaten in einer neuen Variation
b. Berechnung des Algorithmus mit verrauschten Daten
c. Iterative Berechnung der Ergebnisunsicherheit
3. Auswertung der ermittelten Messunsicherheit

Hier ein konkretes Beispiel für die Berechnung der Messunsicherheit der Anstiegszeit eines Temperaturverlaufs:
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UncertaintySet(Temperature, "Uncertainty", 0.25)
UNCERTAINTY_LOOP 1000
_Temperature = UncertaintyModify(Temperature)
_Temperature = smo(_Temperature,1)
L1 = mean(cut(_Temperature,5,10))
L2 = mean(cut(_Temperature,30,35))
RiseTime = pos(_Temperature, L1+(L2-L1)*0.9) - pos(_Temperature, L1+(L2-L1)*0.1)
UncertaintyCalc(RiseTime)
End
uc = UncertaintyGet(RiseTime, "Uncertainty")
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In diesem Beispiel wird eine Eingangsunsicherheit von 0,25 °C festgelegt und 1000 Monte-Carlo-Versuche durchgeführt. Am Ende wird die berechnete Messunsicherheit der Anstiegszeit abgefragt.
Bei der Analyse von Messwertfolgen oder Zeitreihen ergeben sich einige besondere Herausforderungen und Möglichkeiten.
Es ist zu unterscheiden, ob die Messunsicherheit über den gesamten Datensatz konstant bleibt oder sich ändert. Bei gleichbleibendem Messunsicherheitsbudget kann die gesamte Messung mit einem einzigen Wert für die Messunsicherheit charakterisiert werden.
Bei einer Kraftmessung mit einem Verstärker kann die Messunsicherheit vom Messwert abhängen. Ein Beispiel für eine kraftabhängige Messunsicherheit:
Messunsicherheit(Kraft) = 2N + Kraft * 0.015
In diesem Fall variiert die Messunsicherheit über den Messbereich.
Um eine komplexe Messunsicherheit auf einen einzelnen Wert zu reduzieren, kann eine allumfassende Messunsicherheit berechnet werden. Diese ergibt sich als quadratischer Mittelwert aller einzelnen Standardabweichungen:

imc FAMOS bietet verschiedene Möglichkeiten zur erweiterten Analyse und Visualisierung von Messunsicherheiten.
Die Funktion `UncertaintyCalc()` ermöglicht die Berechnung der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (PDF) der Ergebnisse. Über die Glattheit der PDF lässt sich beurteilen, ob die Anzahl der Monte-Carlo-Simulationen ausreichend war.
Bei komplexen Algorithmen kann es sinnvoll sein, die Messunsicherheit für jeden einzelnen Messpunkt des Ergebnisdatensatzes zu analysieren. Dies lässt sich mit dem Befehl `UncertaintyCalc()` mit entsprechenden Parametern realisieren.
Hier ein Beispiel für die detaillierte Analyse der Messunsicherheit eines Amplitudenspektrums:
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UncertaintySet(acc, "Uncertainty", 3)
UNCERTAINTY_LOOP 1000
_acc = UncertaintyModify(acc)
AmplitudeSpectrum = AmpSpectrumRMS_1(_acc, 500, 2, 0, 1)
UncertaintyCalc(AmplitudeSpectrum)
End
uc = UncertaintyGet(AmplitudeSpectrum, "Uncertainty")
UncertaintyCalc(AmplitudeSpectrum, 99, 0, "uc")
--
Dieser Code berechnet zunächst die allumfassende Messunsicherheit des Amplitudenspektrums und führt dann eine detaillierte Analyse für jede einzelne Spektrallinie durch.
Die Berechnung von Messunsicherheiten mit imc FAMOS bietet vielfältige Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten:
Durch die Analyse der Messunsicherheitsfortpflanzung lässt sich die Robustheit von Algorithmen testen und validieren.
Die detaillierte Kenntnis der Messunsicherheiten ermöglicht es, Messaufbauten gezielt zu optimieren und Schwachstellen zu identifizieren.
In der Qualitätssicherung ist die genaue Kenntnis der Messunsicherheiten unerlässlich, um zuverlässige Aussagen über die Einhaltung von Toleranzen treffen zu können.
In Forschung und Entwicklung hilft die Messunsicherheitsanalyse dabei, die Grenzen von Messverfahren und Algorithmen zu verstehen und kontinuierlich zu verbessern.
Die Berechnung von Messunsicherheiten mit imc FAMOS bietet umfangreiche Möglichkeiten zur detaillierten Analyse und Optimierung von Messverfahren und Auswertealgorithmen. Durch die Kombination aus benutzerfreundlichen Funktionen und leistungsfähigen Analysemethoden wie der Monte-Carlo-Simulation können selbst komplexe Messunsicherheitsbetrachtungen effizient durchgeführt werden.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Qualität der Messunsicherheitsberechnung maßgeblich von der korrekten Einschätzung der Eingangsunsicherheiten abhängt. Eine sorgfältige Analyse des Messaufbaus und aller relevanten Einflussfaktoren ist daher unerlässlich.
Insgesamt stellt die Messunsicherheitsberechnung mit imc FAMOS ein mächtiges Werkzeug dar, das Messtechnikern, Ingenieuren und Wissenschaftlern hilft, die Zuverlässigkeit und Aussagekraft ihrer Messungen und Analysen zu verbessern und fundierte Entscheidungen auf Basis der gewonnenen Daten zu treffen.
Diese Vorteile machen imc FAMOS zu einem leistungsfähigen Werkzeug für die Berechnung und Analyse von Messunsicherheiten, insbesondere für komplexe Algorithmen und anspruchsvolle messtechnische Anwendungen.
Nein, das ist nicht ausreichend. Zu jedem Messwert gehört auch die Angabe einer Messunsicherheit. Der GUM (Guide to the expression of uncertainty in measurement) liefert in seinem Absatz "Reporting uncertainty" mögliche Arten der Darstellung.
In imc FAMOS wird die Messunsicherheit eines Eingangssignals mit dem Befehl `UncertaintySet()` festgelegt. Beispiel: `UncertaintySet(Temperature, "Uncertainty", 0.25)` ordnet dem Eingangssignal "Temperature" eine Messunsicherheit von 0,25°C zu.
Ja, imc FAMOS erlaubt es, über den GUM hinausgehend auch spezifische Störgrößen wie Rauschen, Netzbrummen oder Offset-Drift zu berücksichtigen. Diese können ebenfalls über die `UncertaintySet()`-Funktion zugeordnet werden.
imc FAMOS verwendet die Monte-Carlo-Methode zur Berechnung der Messunsicherheitsfortpflanzung. Dabei werden die Eingangsdaten leicht verrauscht und der Algorithmus mehrfach mit diesen verrauschten Daten durchgeführt.
Nein, keine Messung ist exakt. Auch bei einem Inkrementalgeber gibt es Ungenauigkeiten beim Start und Ende der Messung, die nur auf einen Strich genau sein können.
Nein, das gilt nur unter bestimmten Bedingungen. Die erweiterte Messunsicherheit ist das Produkt der Standardmessunsicherheit mit einem Faktor größer eins. Dieser Faktor hängt von der zugrunde liegenden Verteilung und der gewünschten Überdeckungswahrscheinlichkeit ab.
imc FAMOS bietet die Möglichkeit, eine allumfassende Messunsicherheit für einen gesamten Ergebnisdatensatz zu berechnen. Dies erfolgt über die Berechnung eines quadratischen Mittelwerts aller einzelnen Standardabweichungen.
Ja, imc FAMOS ermöglicht eine detaillierte Analyse der Messunsicherheit für jeden einzelnen Messpunkt eines Ergebnisdatensatzes. Dies kann mit dem Befehl `UncertaintyCalc()` mit entsprechenden Parametern realisiert werden.
Die Anzahl der notwendigen Monte-Carlo-Versuche hängt von der gewünschten Genauigkeit ab. Grundsätzlich gilt: Je höher die Anzahl der Versuche, desto genauer das Ergebnis. In imc FAMOS kann die Anzahl der Versuche über die Funktion `UNCERTAINTY_LOOP` festgelegt werden.
Ja, imc FAMOS kann auch mit nicht gleichbleibenden Messunsicherheitsbudgets umgehen. In solchen Fällen bietet die Software die Möglichkeit, detaillierte Analysen für jeden einzelnen Messpunkt durchzuführen oder eine allumfassende Messunsicherheit für den gesamten Datensatz zu berechnen.